Presse-Seite

Zeitungsartikel am 03.04.2012 in Lübbenauer Rundschau und am 14.04.2012 im Elbe-Elster-Teil der Lausitzer Rundschau:

Eine zusätzliche Saite schwingt mit

Junger Finsterwalder macht Konzert im Herrenhaus Groß Jehser wieder möglich

Groß Jehser Unter dem Motto „Am Anfang war der Baum – Indianische Legenden“ hat Schauspieler Christian Steyer im Herrenhaus Groß Jehser Texte gelesen, die er für die Begleitausstellung zu einem Amazonien-Panorama im Asisi-Panometer Leipzig bearbeitete und als Hörbuch veröffentlichte. Und er begleitete Jazz-Sängerin Sonja Kandels am restaurieren Blüthner-Flügel.

Foto: Hoberg

Dass dieser Abend möglich war, ist dem Können eines jungen Klavier- und Cembalobauers zu verdanken. „Johannes Dombrowe aus Finsterwalde hat den Flügel wieder bespielbar gemacht“, sagt Siegfried Kühn, Hausherr im Herrenhaus Groß Jehser.

„Als wir das Instrument erhielten, hieß es, dass es nur zu Dekorationszwecken taugt.“ Ein viertel Jahr lang hatte der Finsterwalder Klavierbauer in seiner Werkstatt immer wieder an dem Blüthner, Baujahr 1883, gearbeitet. „Der Flügel hat die Stimmung nicht mehr gehalten. Es gab Risse im Resonanzboden, sodass neue Späne eingeleimt werden mussten. Ein neuer Saitenbezug und neue Stimmwirbel wurden gebraucht“, zählt Johannes Dombrowe einiges auf.

„Das Instrument hat ein spezielles Saitensystem, Aliquot genannt, das den Klang dadurch verbessert, dass eine zusätzliche Saite mitschwingt“, erklärt der junge Klavierbauer. „Der Blüthner ist angemessen für die Größe des Raumes“, stellt er fest. Als Klavierstimmer kümmert er sich vor den Konzerten darum, dass der Klang am Abend dann den Pianisten und die Zuhörer überzeugt. Am 28. Dezember gab es das erste Konzert auf dem Blüthner-Flügel zum Stummfilmabend. Der Pianist Georg von Weihersberg sei ebenso zufrieden gewesen wie nun Christian Steyer.

„Seit wir den wunderbaren Flügel haben, können wir auch Konzerte veranstalten. Als Verein für Land und Dorfkultur Schloss Groß Jehser planen wir vier Veranstaltungen im Jahr“, sagt Siegfried Kühn. Im Sommer soll der Film „Heidi M.“ mit Katrin Saß gezeigt werden.

Ingrid Hoberg

Der Hausarzt für den Patienten Klavier

,,Ich habe mit einer speziellen Zange das Tastenholz zusammengedrückt, um eine Taste wieder gängig zu machen“, erklärt der junge Mann seine gestern in der LR ins Bild gesetzte typische Handbewegung. Eine Tätigkeit, die der junge Finsterwalder in seinem Beruf häufig bei der Reparatur von Klavieren anwenden muss. Johannes Dombrowe ist Klavier- und Cembalobauer und Klavierstimmer.

Foto: Dietmar Seidel

Für ihn musste es ein Beruf sein, in dem sich Handwerk und Musik verbinden, war ihm ziemlich zeitig klar. Zum handwerklichen Geschick kam bei Johannes Dombrowe eine ausgeprägte und früh entwickelte Musikalität. Die musische Familie vermittelte zeitig den Bezug zur Familie. Vater und Mutter spielen selbst Instrumente und Hausmusik war im Haus Dombrowe nicht nur zur Weihnachtszeit angesagt. Johannes als dem ältesten von insgesamt acht Kindern kam dabei ein führender Part zu. Seit dem 12. Lebensjahr bekam er Gitarren- und Gesangsunterricht an der Kreismusikschule bei Chris Poller und der 23-Jährige ist bis heute dem Pop-Chor der Schule treu geblieben und vervollkommnet sich im Gesangsunterricht. ,,Meine mobile Werkstatt liegt eigentlich im Auto“, verweist Johannes Dombrowe auf die Werkzeugtaschen, denn er muss zumeist zum Patienten Klavier. Als ,,Hausarzt sozusagen“. Bevor er durch seine im Aufbau befindliche feste Werkstatt im Gröbitzer Weg und den Klavier-Ausstellungsraum der Familie führt, erfährt der Besucher, wie der junge Mann zum Spezialisten für Tasteninstrumente geworden ist. Nach dem Abschluss der 10. Klasse am Janucz-Korczak-Gymnasium in Finsterwalde gelang es ihm, einen Ausbildungsplatz bei der renommierten Klavierbauerfirma ,,Thürmer“ zu bekommen, die seit 1834 existiert. Sie gehört mit ,,Förster“ und ,,Blüthner“ zu den bekanntesten Tastenbaufirmen in Deutschland. Die Freude war groß, auch wenn er zur Ausbildung ins weit entfernte Bochum und zur Berufsschulausbildung nach Ludwigsburg, der einzigen Berufsschule für Orgel- und Klavierbauer in Deutschland, also weit weg von zu Hause muss. Nach dreieinhalb Jahren besteht er im Januar 2006 die Prüfungen und darf sich Klavier- und Cembalobauer nennen und gleichzeitig Klavierstimmer, denn ,,das ist Bestandteil der Ausbildung“,verrät der junge Fachmann. Ein gutes Gehör und handwerkliche Begabung sind Voraussetzungen für den Beruf, verrät er. Und zeigt wie mit Setzeisen, Ringheber und Stimmgabel umzugehen ist. Außer dem beruflichen Umgang mit Musikinstrumenten bestimmt die Musik auch seine Freizeit. Neben dem Popchor, vervollkommnet er sein Klavierspiel, ,,auch wenn das für den Beruf keine Voraussetzung ist“. Seine Leidenschaft beim Musikhören ist moderne Popmusik mit Klavierbegleitung und moderne Kirchenmusik. Was nun? So lautete die Frage nach abgeschlossener Berufsausbildung. Im Thürmer-Unternehmen bekommt er keine feste Stelle, also kehrt er nach Hause zurück und steigt zunächst in die Musikalienhandlung seines Vaters am Dammhaus in Finsterwalde mit ein, betreut die Tasteninstrumente und erledigt Reparaturen. Noch 2006 wagt Johannes Dombrowe den Schritt in die Selbstständigkeit. ,,Eine gute Entscheidung“, findet er bis heute, denn ,,ich war einer der Letzten, der eine Förderung als Ich-AG über drei Jahre von der Agentur für Arbeit bekommen hat. ,,Das hat mir den Start in einem schwierigen Berufsfeld erleichtert“, bedauert er, dass es dieses arbeitsmarktpolitische Instrument nicht mehr gibt. Inzwischen ,,läuft es ganz gut und ich bin meist gut ausgebucht“, vor allem in den Wintermonaten. Da er der einzige Klavierbauer im Elbe-Elster-Kreis ist, neben der Orgelbaufirma Voigt in Bad Liebenwerda, und die Konkurrenz im Umkreis überschaubar sei, hofft er weiter auf eine gute Entwicklung, auch auf Aufträge als Klavierstimmer für Großveranstaltungen wie dem Sängerfest, für Veranstaltungen der Musikschule oder für andere große Konzerte. Außerdem will er jedem privaten Musikliebhaber gern helfen, sein Klavier wieder stimmig oder spielfähig zu machen. Christine Graf hat sofort den gesuchten Beruf erkannt – und Johannes Dombrowe auch. „Der nette junge Mann hat unser Klavier gestimmt. Und er hat seine Sache wirklich gut gemacht. Herr Dombrowe hat ein sehr gutes Gehör. Und er versteht sein Handwerk“, lobte die Lichterfelderin den Finsterwalder Klavierstimmer gestern am LR-Telefon. Auch Michael Schurig aus Finsterwalde und Joachim Bergmann aus Sorno haben den Klavierstimmer erkannt. Herr Schurig wusste zu berichten, dass es der einzige seines Berufsstandes im Elbe-Elster-Kreis ist. Margot Arsand aus Dübrichen kennt Johannes Dombrowe aus den Erzählungen ihres Mannes, der Lehrer am Korczak-Gymnasium und Johannes Dombrowe sein Schüler war. Manfred Janke aus Finsterwalde wusste noch, dass es in Senftenberg auch einen Klavierstimmer gibt. –db-/leh
Von Jürgen Weser